Trichoptera, die Familie der Köcherfliegen sind uns aus der Kinderzeit als Bach- und Teichbewohner bekannt. Ihre auffälligen Larven sind seit jeher ein Ziel ausgiebiger Betrachtungen. Über 5000 Arten der auch Haarflügler genannten Gattung machen die Unterscheidung nicht leicht. Meist sind sie grau, grau-braun oder bräunlich gefärbt, die Fühler länger als der Körper und gerade nach vorne gerichtet. Der Name Köcherfliege rührt aus dem auffälligen Verhalten der Larven her, die sich mit einem Seidenfaden einen Köcher aus Pflanzen- und Erdmaterial um den Körper weben. Anhand der Köcher fällt eine Unterscheidung der Arten leichter, da jede Art spezielle Materialien und Muster verwendet.
KöcherfliegeGröße:15-21mmVorkommen: Häufig im Juni-August; an ruhenden Gewässern, auch an der Ostsee Beschreibung: Man findet Köcherfliegen am Tag in der Ufervegetation. Viele sind gelbbraun, schwarz oder grau. | ![]() |
KöcherfliegenlarveLänge:19-23mmVorkommen:Die Larven leben in stehenden Gewässern. Beschreibung: Die Köcherfliegenlarve lebt in einem rohrförmigen Gehäuse aus zusammengesponnenen Pflanzenteilen, Sandkörnern, Schneckenschalen usw. In diesem an beiden Enden offen stehenden Kokon sind sie gut vor Feinden geschützt. Nahrung: Sie lebt von abgestorbenen Pflanzenteilen. | ![]() |
Köcherformen von KöcherfliegenlarvenDie Köcherfliegenlarven verwenden die Materialien, die sie auf dem Gewässergrund vorfinden. Daher sind die Köcher verschieden. | ![]() |
Die Köcherfliegen bilden mit etwa 7.000 bekannten Arten weltweit eine große Ordnung innerhalb der Klasse der Insekten. In Europa sind ungefähr 900 Arten bekannt, davon in Mitteleuropa etwa 300 Arten. Körperbau und Lebensweise: Die Köcherfliegen ähneln in ihrer Gestalt verschiedenen Kleinschmetterlingen, sind von diesen jedoch durch die behaarten - nicht beschuppten - Flügel und das Fehlen eines aufgerollten Saugrüssels zu unterscheiden. Auf ihre behaarten Flügeln bezieht sich auch ihr wissenschaftlicher Name Trichoptera (vom griechischen trichos = Haar und pteron = Flügel). Diese legen sie im Gegensatz zu den Schmetterlingen in der Ruhestellung immer dachförmig auf dem Hinterleib aneinander. Die Färbung unserer einheimischen Arten ist meist recht unscheinbar, es überwiegen graue, schwarze und braune Farbtöne. Auffällig sind ihre oft mehr als körperlangen Fühler, die in Ruhestellung nach vorne gestreckt werden. Die Köcherfliegen entfernen sich meist nicht sehr weit vom Wasser und verbergen sich am Tage meist in der Ufervegetation. Bei Einbruch der Dämmerung werden sie aktiv und flattern unbeholfen umher. Die Paarung erfolgt vorwiegend auf einer festen Unterlage, wobei die Partner mit abgewandten Köpfen in gerader Richtung hintereinander sitzen. Die Eiablage findet bei manchen Arten im Fluge statt, wobei das Weibchen in geringer Höhe über der Wasseroberfläche dahinfliegt und die Eier in kleinen Paketen fallen lässt. Andere Arten legen ihre Eier an Gräser, Blätter oder Äste, die sich über die Wasseroberfläche neigen, so dass die schlüpfenden Larven in ihr künftiges Wohngewässer fallen. Schließlich kriechen die Weibchen bestimmter Arten zur Eiablage selbst in das Wasser hinein und kleben ihre Gelege an Steine oder Wasserpflanzen an. Die Larven der Köcherfliegen sind durch ihren charakteristischen Köcher, mit dem sie ihren weichen Hinterleib schützen, allgemein viel besser bekannt als die erwachsenen Tiere. Das verwendete Baumaterial ist recht unterschiedlich und kann aus Steinchen, Sandkörnern, Zweigstückchen, kleinen leeren Schnecken- oder Muschelschalen, Teilen grüner oder welker Blättchen und Grashalmen o.ä. bestehen. Viele Arten haben ein ganz spezifisches Baumuster, so dass man sie oftmals anhand ihrer Gehäuse allein bestimmen kann. Das Gehäuse der jüngsten Larven besteht allerdings zunächst meist nur aus einem Gespinst, das aus einem Sekret ihrer Spinndrüse erzeugt wird. Später beginnt die Larve mit der Belegung des Köchers mit Fremdmaterial. Der Köcher wird ständig umhergetragen und nie freiwillig verlassen. Bei Gefahr kann sich die Larve auch vollständig in ihn zurückziehen. Wenn die Larven wachsen, fügen sie am Vorderende weiteres Material an und entfernen am Hinterende die älteren und deshalb zu engen Teile. Auch zu den normalerweise fünf Häutungen während ihres Larvenstadiums wird der Köcher nicht verlassen. Die Köcher sind stets an beiden Enden offen und die Bewegungen der Larve erzeugen einen Wasserstrom durch das Gehäuse hindurch. Hierdurch wird das Tier ständig mit Sauerstoff versorgt, den es dem Wasser mit Hilfe fiedriger Tracheenkiemen an den Seiten des Hinterleibes entnimmt. Neben den köcherbauenden Arten gibt es freilebende Larven, die entweder zwischen den Steinen am Gewässergrund leben oder sich zwischen Steinen oder Wasserpflanzen netzartige Gespinste verschiedener Form bauen, die einerseits einen gewissen Schutz gewähren, aber auch dem Nahrungsfang dienen. Auch die nicht köcherbauenden Larven atmen mit Hilfe fadenförmiger Tracheenkiemen am Hinterleib. Die Nahrung der Köcherfliegenlarven besteht meist aus pflanzlichem Material wie Algen, Detritus und frischen oder faulenden Teilen höherer Pflanzen. Freilebende oder netzbauende Arten ernähren sich aber auch von Kleinlebewesen. Am Ende ihrer Entwicklungsphase verpuppen sich die Larven in geeigneten Verstecken unter Steinen, Wurzeln o.ä.. Die köchertragenden Arten verschließen hierzu die Vorder- und Hinteröffnung ihres Köchers bis auf kleine Durchlässe für das Atemwasser mit Gespinstdeckeln und kleben die Gehäuse fest an die Unterlage an. Auch die köcherlosen Larven bauen sich Puppengehäuse. Die Puppe bleibt sehr beweglich und behält die Ventilationsbewegungen der Larve bei. Auch die Kiemen der Larven bleiben in der Regel erhalten. Nach einer Puppenruhe von ca. 2 bis 3 Wochen verlässt die Puppe das Gehäuse und versucht schwimmend oder durch Erklettern von Wasserpflanzen die Wasseroberfläche zu erreichen. Dort erst reißt die Puppenhaut auf, die Imago schlüpft und fliegt fast unmittelbar danach ab. Der gesamte Entwicklungszyklus der Köcherfliegen dauert ein Jahr; die erwachsenen Tiere leben im allgemeinen nicht länger als acht Tage. Die beiden Arten der einheimischen Gattung Enoicyla durchlaufen ihr Larvenstadium nicht im Wasser, sondern in feuchtem Moder und Moos am Fuß von Bäumen. Bedeutung Köcherfliegen sind von großer Bedeutung in der Nahrungskette des Süßwassers und werden in großer Zahl von Fischen und Wasservögeln gefressen. Angler verwenden die Larven ("Sprock") als Köder. Künstliche Nachbildungen der Fliegen- und Larvenstadien spielen bei der Fliegenfischerei eine wichtige Rolle.